Tipps und Tricks für die Antragstellung für den EIC Accelerator Piloten aus Gutachtersicht

Viele bunte Zettel mit Ausrufezeichen liegen wild übereinander

Die NKS KMU tritt regelmäßig in Austausch mit Gutachtern, die die Anträge im EIC Accelerator Piloten bewerten. Aus diesen Gesprächen ergeben sich wertvolle Insider-Tipps für die Antragsteller. Die wichtigsten Punkte und Anregungen sind auf dieser Seite zusammengefasst.

  1. Zielgruppe für den EIC Accelerator Piloten (ehem. KMU-Instrument) sind vorrangig KMU, die in der Lage sind, sich erfolgreich auf dem Markt zu positionieren. Bei der Begutachtung steht der Risikograd, die Bewertung des Business Case und der "Operational Capacity" im Vordergrund. Auch Start-ups haben gute Erfolgschancen, sofern eine überzeugende Innovation vorliegt und die Unternehmen befähigt sind, ihr Marktpotenzial mit betriebswirtschaftlichen Zahlen (plausibles Zahlenwerk!) zu untermauern. Zudem muss die Planung für das Wachstum des Start-ups nachvollziehbar sein und es muss beschrieben werden, wie das Start-up mögliche Engpässe bei Ressourcen und / oder Kompetenzen auffängt (beispielsweise durch die Einbeziehung von Unterauftragnehmern). Anträge, die von Einzelkämpfern eingereicht werden, ohne dass ein wirtschaftlich aktives KMU dahintersteht, sind hingegen chancenlos. Auch KMU, die nur Produktvarianten auf den Markt bringen möchten, sind bei diesem Instrument falsch aufgehoben. Projekte zur Schaffung neuer Wertschöpfungsketten können hingegen durch den EIC Accelerator Piloten gefördert werden.
  2. Bei vielen Anträgen wird auf die Beschreibung der innovativen Lösung im Exzellenz-Teil zu viel Gewicht gelegt. Dies führt nicht zum Erfolg, da der Business Case im Vordergrund stehen sollte. Es wird daher empfohlen, die Federführung für die Projektplanung und Antragserstellung erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit betriebswirtschaftlichem bzw. Management-Hintergrund zu übertragen. Der Antrag im EIC Accelerator Piloten muss einem Finanzierungsgesuch bei einem Investor gleichen, es handelt sich ausdrücklich nicht um einen wissenschaftlichen Antrag. Die meisten Gutachter sind keine Experten für die Themen der zugeteilten Anträge. Die Profile der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen im Dokument 2, Annex 2 des Antrags dargestellt werden. Eine überzeugende Darlegung der vorhandenen Kompetenzen, Kapazitäten und Ressourcen ist wichtig, um glaubwürdig vermitteln zu können, dass das Unternehmen in der Lage ist, seine Ziele zu erreichen, und diese zu der Unternehmensstrategie passen.
  3. Für eine Förderung durch den EIC Accelerator Piloten ausgewählt worden zu sein, ist ein Qualitätsmerkmal und kann auch bei der Bewerbung um Venture Capital nützlich sein – auch wenn es "nur" zu einem "Seal of Excellence" gereicht hat (wird verliehen für förderfähige Anträge, für die nicht genügend Budget zur Verfügung stand).
  4. Empfohlen wird, die Projektidee von der Historie ausgehend zu beschreiben (Excellence / Approach), damit nachvollziehbar wird, dass bereits eine substanzielle Grundlage im Unternehmen vorhanden ist. Wenn aus der Arbeitsplanung hervorgeht, dass grundlegende Fragestellungen noch nicht bearbeitet wurden, ist dies kritisch. Lösungen müssen zur Einreichung im EIC Accelerator Piloten bereits als funktionierender Demonstrator vorliegen, das heißt die Technik muss funktionieren und neu im jeweiligen Marktsegment sein. Dieser Entwicklungstand entspricht dem geforderten Technologie-Reifegrad 6 (TRL 6).
  5. Der Antrag sollte allgemeinverständlich formuliert sein, so dass auch fachfremde Leserinnen und Leser die Ausführungen nachvollziehen können. Der Antrag muss alle relevanten Informationen enthalten. Verlinkung zu weiterführenden Webseiten, beispielsweise mit einem Video zum Demonstrator sollten nicht eingefügt werden. Die Gutacher sind angehalten, diese zu ignorieren. Üblicherweise erfolgt die Antragstellung auf Englisch. Um die Lesbarkeit sicherzustellen, wird empfohlen, den Antragstext durch eine Muttersprachlerin oder einen Muttersprachler sowie durch jemanden, der die Evaluierungskriterien kennt, gegenlesen zu lassen. Die Antragstellenden sollten sich vor Augen führen, dass für den EIC Accelerator Piloten kein wissenschaftlicher Antrag, sondern ein Businessplan erwartet wird. Das Formular zur Selbstbewertung im KMU-Instrument gibt einen Überblick zu Evaluierungskriterien und den Begutachtungsgrundlagen und sollte dringend beim Schreiben des Antrags berücksichtigt werden.
  6. Das Auswahlverfahren der Unterauftragnehmer ("best value for money") sowie deren geplante Zuarbeit muss bei einer Bewerbung für den Accelerator ausführlich beschrieben werden. Andernfalls führt dies dazu, dass Anträge den Schwellenwert nicht erreichen werden (Killerkriterium). Die Unteraufträge sollten realistisch kalkuliert werden.
    Im EIC Accelerator Pilot ist die Höhe der zu vergebenen Unteraufträge nicht beschränkt. Die Vergabe von Unteraufträgen ist ein wesentlicher Faktor unter den Kriterien „Qualität und Effizienz der Durchführung“. Bei der Bewertung wird das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für die Vergabe von Unteraufträgen mit bewertet. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis erfordert NICHT in allen Fällen wettbewerbsfähige Auswahlverfahren. Wenn ein Begünstigter jedoch nicht mehrere Angebote angefordert hat, muss er nachweisen, wie das beste Preis-Leistungs-Verhältnis sichergestellt wurde.
  7. Der Innovationsgrad wird vom antragstellenden Unternehmen oft aus dem Bauchgefühl heraus oder mit Hilfe von Internetrecherchen dargestellt. Wichtig wäre, quantitativ und qualitativ durch strukturierte Vergleiche zu untermauern,  inwieweit die angestrebte Lösung bestehenden Lösungen tatsächlich überlegen ist.
  8. Die Wettbewerbssituation wird oft nicht ausreichend dargestellt. Es ist von zentraler Bedeutung, die Lösungen der Wettbewerber darzustellen und im Vergleich zu bestehenden (Technologie-)Lösungen den Unique Selling Point (USP) der eigenen Lösung herauszustellen. Das Produkt sollte in die Firmenstrategie passen.
  9. Für Anträge im EIC Accelerator Piloten können strategisch/methodische Planungsinstrumente, wie beispielsweise die SWOT-Analyse oder ein Business Model Canvas hilfreich sein.
  10. Die Auswahl der Distributionsstrategie (B2B oder B2C) sollte stimmig sein. Bereits bestehende Kontakte zu potenziellen Kunden, welche an dem neuen Produkt interessiert und bereit sind, dafür Geld auszugeben, sind von großem Vorteil und sollten im Antrag entsprechend dokumentiert werden. Das kann beispielsweise in Form von Absichtserklärungen (LoI) geschehen, die Sie im Dokument 2 Annex 3 anfügen können.
  11. Den europäischen Mehrwert herauszuarbeiten, ist grundsätzlich wichtig. Essenziell ist hier die Fragestellung, ob ein Marktpotenzial auf europäischer Ebene besteht und auf diesem Wege eine europäische Wirkung (sprich "Steigerung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit") / ein europäischer Mehrwert erzielt werden kann. Hier spielen die gesellschaftliche Akzeptanz bzw. der gesellschaftliche Nutzen eine nicht zu vernachlässigende Rolle.
  12. Der "freedom to operate" muss gewährleistet sein. Falls eine eigene Patentierung nicht angestrebt wird, sollte dies begründet werden und eine Patentrecherche dem vorausgehen. Wenn ein Unternehmen mit Unterauftragnehmern zusammenarbeitet, sollte es unbedingt darauf achten, dass die Vertriebsrechte im Unternehmen verbleiben.
  13. Ein sinnvolles Konzept für die Nutzung des Coaching wird von den Gutachtern positiv bewertet.