KMU-Instrument ("Dedicated SME Instrument")

Mehrere goldende Zahnräder, die ineinander greifen

Auf EU-Ebene gibt es seit 2014 das KMU-Instrument. Darin können KMU konkrete Ideen zur Marktreife entwickeln. Es vereint schnelle Förderentscheidungen, weitgehend themenoffene Förderung und einen drei-Phasen-Ansatz. Die Förderung von einzelnen KMU ist möglich.

Ein Instrument nur für KMU

Das Förderinstrument auf europäischer Ebene richtet sich ausschließlich an kleine und mittlere Unternehmen mit Wachstumspotenzial, Ideen mit hohem Marktpotenzial und Innovationsgrad sowie europäisch bzw. international ausgerichteter Geschäftstätigkeit. Verfolgt wird dabei ein (weitgehend) themenoffener Ansatz. Das Instrument wird in den Förderlinien "Führende Rolle bei grundlegenden und industriellen Technologien" (Teil II des Spezifischen Programms) und "Gesellschaftliche Herausforderungen" (Teil III des Spezifischen Programms) angewendet. Neben technologischen können auch nicht-technologische Ansätze, wie z. B. soziale Innovationen oder Innovationen im Dienstleistungssektor, unterstützt werden.

Es besteht grundsätzlich die Möglichkeit zu Verbund- oder Einzelförderung (in den EU-Dokumenten als multi bzw. mono bezeichnet). Antragsberechtigt sind ausschließlich gewinnorientierte KMU, welche die KMU-Kriterien der Europäischen Union erfüllen und ihren Sitz in den EU-Mitgliedstaaten oder an Horizont 2020 assoziierten Ländern haben. Eine Beteiligung von Forschungsdienstleistern aus anderen Organisationstypen ist nur bei guter Begründung als Unterauftragnehmer möglich.

Phasenweise Förderung entlang des Innovationszyklus

Das KMU-Instrument ist aufgegliedert in die drei Phasen:

  • Machbarkeit - Von der Idee zum Konzept (Phase 1)
  • Umsetzung - Vom Konzept zur Marktreife (Phase 2) und
  • Markteinführung - Kommerzialisierung (Phase 3).

Fördergelder können für Phase 1 und Phase 2 beantragt werden. Für beide Phasen gilt: Das Instrument greift ab dem Technologiereifegrad TRL 6. Das heißt, Forschungsergebnisse sollten ebenso wie ein Demonstrator vor Projektstart bereits vorliegen. Gefördert wird in der Regel die marktnahe Entwicklung ab "Demonstration unter Einsatzbedingungen".

Erfolgreiche Antragstellende haben die Möglichkeit, Coaching und Mentoring als Unterstützung während Phase 1 (bis zu drei Tage) und Phase 2 (bis zu zwölf Tage) wahrzunehmen. In Phase 3 werden erfolgreiche Projekte der Phasen 1 und 2 in der Kommerzialisierung unterstützt, es gibt jedoch keine direkten Fördergelder.

Phase 1

In Phase 1 wird eine ökonomische Machbarkeits- oder Durchführbarkeitsstudie pauschal mit 50.000 Euro gefördert. Der Kern des Antrags - ein erster Business Plan - umfasst zehn Seiten. In der Projektdauer von ca. drei bis sechs Monaten soll in einer Machbarkeitsstudie die Realisierbarkeit der Marktumsetzung des vorgeschlagenen Konzepts für innovative Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen überprüft werden - mit Fokus auf die mittelfristige Kommerzialisierung. Als Ergebnis soll ein konkretisierter Business Plan entstehen, der Grundlage einer Bewerbung für Phase 2 ist.

Phase 2

In Phase 2 werden in 1 - 2 Jahren Innovationsmaßnahmen durchgeführt. Unter Innovationsmaßnahmen fallen Aktivitäten wie Demonstration, Testing, Erstellung von Protottypen, Pilotmaßnahmen, Scale-up, Miniaturisierung und Design bis hin zur Marktumsetzung. Der Richtwert für die Förderung beträgt zwischen 0,5 und 2,5 Mio. Euro, es gibt jedoch Ausnahmen. Die Förderquote beträgt i. d. R. 70 %.

Am Ende von Phase 2 soll ein/e Produkt/Verfahren/Dienstleistung stehen, welche/s reif für die Kommerzialisierung ist, sowie ein weiterentwickelter Business Plan als Basis für Phase 3.

Phase 3

In Phase 3 erfolgt die wettbewerbliche Kommerzialisierung des Projekts. Diese Phase bietet keine direkten Fördergelder, sondern indirekte Unterstützungsmaßnahmen, um den Markteintritt zu erleichtern. Dies erfolgt durch eine Reihe zusätzlicher Dienstleistungen, einschließlich der Unterstützung der Investitionsbereitschaft und des Zugangs zu Risikofinanzierungsinstrumenten. Diese Phase wird – ebenso wie das Coaching in den ersten beiden Phasen – durch das Enterprise Europe Network (EEN) unterstützt.

Bewertungskriterien

Die Anträge werden im Begutachtungsprozess nach den Kriterien Exzellenz, Auswirkungen (Beschreibung des Marktes) und Qualität der Umsetzung bewertet ("Excellence", "Impact" und "Implementation"). Im Fokus stehen dabei Aspekte wie das Marktpotential, der europäische Mehrwert (warum EU-Förderung statt nationaler Förderung?) und das Alleinstellungsmerkmal (Unique Selling Point (USP)). Zudem werden die Umsetzungskapazitäten und das Entwicklungspotenzial der Antragsteller sowie deren internationale Strategie beleuchtet.

Die Bewertung wird durch Gutachterinnen und Gutachter vorgenommen, die letztendlich über Ihren Förderzuschlag entscheiden. Die Europäische Kommission sucht, insbesondere auch für das KMU-Instrument, Experten und Expertinnen mit Industrieerfahrung, die Interesse haben, Begutachtungen im Auftrag der Kommission bzw. der EASME durchzuführen. Interessierte können sich über das Teilnehmerportal registrieren. Expertinnen und Experten, die sich in der Datenbank der Europäischen Kommission als Gutachter eintragen, können weiterhin als Antragstellende an allen Förderbereichen von Horizont 2020 teilnehmen. Die Teilnahme am Begutachtungsprozess bietet wertvolle Einblicke, die bei der Erstellung eigener Anträge hilfreich sein können.

Ausschreibungen für 2016 und 2017

Zu den Ausschreibungen des KMU-Instruments für Phase 1 und 2 können laufend Anträge eingereicht werden. Die Begutachtung der Projektanträge erfolgt zu vorab festgelegten Stichtagen ("cut-off dates"). Davon gibt es in der Regel vier pro Jahr. Die Anträge sind online einzureichen und können dann bis zum Stichtag jederzeit überarbeitet werden. Nach dem jeweiligen Stichtag werden die eingegangenen Anträge begutachtet. Im Anschluss an die Begutachtung wird eine Rangliste erstellt, wobei die Projekte mit den höchsten Punktwerten, dem zum jeweiligen Stichtag zur Verfügung stehenden Fördertopf entsprechend, einen Förderzuschlag erhalten. Eine Wiedereinreichung abgelehnter Anträge ist möglich, sobald der Ablehnungsbescheid bei den Antragstellern eingegangen ist.

Die Organisation der Evaluierung, Auswahl und des Managements der Projekte des KMU-Instruments nimmt die Exekutivagentur für KMU (EASME) wahr.